Cannon hat auf der JEC World 2026 in Paris sein Formtemperiersystem NEXUS sowie die Kreislaufplattform POSSIBLE vorgestellt. Ziel ist es, den Energieverbrauch zu senken und bessere End-of-Life-Lösungen für Bauteile aus Verbundwerkstoffen zu ermöglichen. Vom 10. bis 12. März im Paris Nord Villepinte demonstriert, zeigte das NEXUS-System, dass der Energiebedarf um bis zu 70 % reduziert und die Aufheizzeiten der Formen um rund 80 % verkürzt werden können. Die Plattform POSSIBLE ermöglicht die Wiedereinbindung recycelter Polyurethan-(PU)- und PU-glasfaserverstärkter Kunststoff-(PU-GFK)-Materialien in neue Produktrezepturen. Diese Entwicklungen reagieren auf den wachsenden Fokus der Verbundwerkstoffbranche auf Energieeffizienz und zirkuläre Fertigung.
Hintergrund
Cannon Auftritt auf der JEC World 2026 spiegelt die zunehmende Bedeutung von Digitalisierung, Energieeffizienz und Materialkreisläufen in der Industrie wider. Das NEXUS-System basiert auf mehr als zehn Jahren Forschung und setzt auf integrierte Heizelemente in Verbundwerkstoffen, wodurch herkömmliche Temperiersysteme mit Wärmeträgerflüssigkeiten entfallen. POSSIBLE adressiert die anhaltende Herausforderung, duroplastische Werkstoffe wie Polyurethan zu recyceln, die sich aufgrund chemischer Vernetzung und Faserverstärkung nur schwer wiederaufbereiten lassen.
Details
NEXUS integriert die Heizelemente direkt in die Struktur der Verbundformen und ermöglicht so präzise thermische Zonen mit Temperaturgradienten im Millimeterbereich. Herstellerangaben zufolge senkte das System den Energieverbrauch um bis zu 70 % und verkürzte die Aufheizzeiten im Vergleich zu konventionellen Methoden um etwa 80 %, was die Prozesseffizienz um rund 25 % verbesserte. Heizraten von 30 °C pro Minute wurden erreicht und unterstützen eine sehr genaue Temperaturführung, die für Reaktionsgießverfahren und die Verarbeitung von Duroplasten entscheidend ist. Diese Ergebnisse wurden über mehr als ein Jahrzehnt durch elektrische und thermische Tests, Simulationen und industrielle Erprobung validiert, wobei die Bauteilqualität den bestehenden Produktionsstandards entspricht.
POSSIBLE - ein Akronym für "PrOduce SuStainabLE Industrial Bodies" - ist ein Gemeinschaftsprojekt mit MAP S.p.A. und der Universität Bergamo im Rahmen der italienischen Initiative NextGenerationEU. Die Plattform ermöglicht das mechanische Recycling von starren PU-Schäumen und PU-GFK-Verbundwerkstoffen, indem gemahlener Schaum und zerkleinertes Verbundgranulat in neue Produktionsströme eingebracht werden. Gesteuerte Dosier- und Fördertechnologien, darunter flexible Schneckenförderer, erlaubten es, Recyclinganteile von bis zu 40 % Gewichtsanteil gleichmäßig zu dispergieren. Versuche bestätigten, dass der Einsatz von Rezyklat weder die Rezepturqualität noch die Bauteilleistung beeinträchtigt.
Cannon präsentierte auf der Messe außerdem verwandte Technologien, darunter validierte Thermokompressionsanlagen, patentierte Vakuumsysteme, präzise Harzinjektion für anspruchsvolle Verbundanwendungen sowie kompakte, hochtonnige Kurzhubpressen, die in Zusammenarbeit mit Taylor Engineering & Plastics für begrenzte Produktionsflächen entwickelt wurden.
Ausblick
Die Plattformen NEXUS und POSSIBLE positionieren Cannon mitten in den zentralen Branchentrends energieeffizienter Automatisierung und nachhaltiger Produktion von Verbundwerkstoffen. Eine breite Einführung hängt davon ab, Herausforderungen wie die Kompatibilität der Ausrüstung mit unterschiedlichen Harzsystemen, den Investitionsbedarf für neue Temperierinfrastrukturen und die Etablierung von Standards für Material- und Datenintegration zu bewältigen. Während Erstausrüster und Akteure in den Lieferketten verstärkt Lösungen für Elektrofahrzeuge und neue Mobilitätskonzepte unterstützen wollen, könnten diese Technologien künftige Partnerschaften, Beschaffungsstrategien und Bewertungsrahmen über den gesamten Lebenszyklus hinweg maßgeblich beeinflussen.
