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USA treiben Vorgaben für Rezyklatanteil in Automobilkunststoffen voran

US-Vorstoß für stufenweise Rezyklatquoten in Autoteilen beeinflusst Recyclingkapazitäten, Batteriegehäuse und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten.

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USA treiben Vorgaben für Rezyklatanteil in Automobilkunststoffen voran

Die US-Bundesregierung hat vorgeschlagen, Mindestquoten für recycelten Kunststoff in automobilen Kunststoffbauteilen vorzuschreiben. Die Maßnahme dürfte sich spürbar auf die inländische Recyclingkapazität, die Nachfrage nach Tiefziehen und Spritzguss sowie auf die Herstellung von Batteriegehäusen auswirken. Der Vorschlag sieht stufenweise Ziele für den Einsatz von Rezyklat vor und legt Verfahren zur Überprüfung der Einhaltung durch Zulieferer und Fahrzeughersteller (OEM) fest, mit ausgewählten Ausnahmen unter klar definierten Bedingungen.

Hintergrund

Diese Regulierung steht im Einklang mit dem weltweiten Trend zu mehr Kreislaufwirtschaft im Automobilsektor und ähnelt jüngsten Maßnahmen in der Europäischen Union. Die USA verfügen bislang über keine verbindlichen bundesweiten Vorgaben für Mindestrezyklatanteile in Kunststoffen. Jüngere Gesetzesinitiativen wie der sogenannte CIRCLE Act zielen jedoch darauf ab, die Recyclinginfrastruktur über steuerliche Anreize zu stärken. Einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien und New Jersey haben bereits Rezyklatquoten für Verpackungskunststoffe eingeführt - jedoch nicht für Anwendungen in der Automobilindustrie.

Details

Die vorgeschriebene Regelung würde verlangen, dass Kunststoffteile im Fahrzeugbau innerhalb von sechs Jahren mindestens 15 % Rezyklat enthalten, nach acht Jahren 20 % und nach zehn Jahren 25 %. Zeitlich befristete Ausnahmen wären möglich, wenn recycelte Ausgangsmaterialien nicht verfügbar sind oder die Preise sprunghaft ansteigen. Die Einhaltung der Vorgaben soll über Dokumentationsnachweise zur Lieferkette seitens der Materiallieferanten und OEMs sichergestellt werden, gegebenenfalls ergänzt um Prüfungen durch unabhängige Dritte.

Sowohl Post-Consumer-Rezyklate (aus Endverbraucherabfällen) als auch industrielle Rezyklate würden angerechnet. Ein ausschließlicher Rückgriff auf industrielle Produktionsabfälle wäre jedoch eingeschränkt, um eine echte geschlossene Kreislaufwirtschaft zu fördern. Interessengruppen erhalten im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens die Möglichkeit, Stellungnahmen einzureichen, bevor die Regel finalisiert wird.

Batteriegehäuse - häufig im Spritzguss gefertigt und strengen Leistungsanforderungen unterworfen - könnten Schwierigkeiten haben, die angestrebten Rezyklatquoten zu erfüllen. Hauptgrund ist die Schwankungsbreite der mechanischen Eigenschaften recycelter Kunstharze. Neuere Forschungsarbeiten deuten jedoch darauf hin, dass sich diese Variabilität deutlich verringern lässt: Studien berichten von einer Reduktion der Streuung des Elastizitätsmoduls um bis zu 89,5 % durch bio-inspirierte Verbundwerkstoff-Konzepte.

Der Vorschlag dürfte zusätzlichen Druck auf die heimische Recyclinginfrastruktur ausüben und voraussichtlich den Einsatz von Tiefziehen und Spritzguss mit rezyklattauglichen Granulaten ankurbeln. Branchenverbände argumentieren, dass die USA insbesondere bei PET, HDPE und PP ihre Rezyklatproduktion ausbauen können, wenn bestehende Kapazitäten mit geeigneter Politikunterstützung besser genutzt werden.

Strategisch zielt die Regel darauf ab, nationale Kreislaufwirtschaftsziele voranzubringen und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten zu stärken - insbesondere im Bereich elektrischer und emissionsarmer Fahrzeuge. Zudem ergänzt sie die Anforderungen an den Gehalt kritischer Mineralien nach dem Inflation Reduction Act und unterstützt den Ausbau von Recycling und Verarbeitung in Nordamerika.

Ausblick

Der Vorschlag tritt nun in eine Phase der öffentlichen Konsultation ein. Von Herstellern und Recyclingunternehmen wird erwartet, dass sie technische Stellungnahmen zur Umsetzbarkeit, zur Verfügbarkeit von Rezyklaten entlang der Lieferkette und zu Prüf- und Nachweisverfahren einbringen. Entscheidungsträger prüfen derzeit Finanzierungsansätze, einschließlich steuerlicher Anreize, um den Ausbau der inländischen Recyclinginfrastruktur zu erleichtern. In den brancheninternen Debatten dürfte es vor allem darum gehen, ambitionierte Rezyklatquoten mit der real verfügbaren Materialmenge und den Kostenfolgen in Einklang zu bringen.