Bundesbehörden haben einen Verordnungsentwurf vorgestellt, der schrittweise steigende Mindestanteile von recyceltem Kunststoff in Komponenten von leichten Fahrzeugen vorschreibt. Es wäre die erste US-weite Vorgabe, die sich ausdrücklich auf den Anteil post-consumer-recycelter (PCR) Polymere in Automobilen bezieht. Der Vorschlag umfasst Innenverkleidungen, Bauteile im Motorraum sowie gehäuserelevante Batterieteile und sieht gestaffelte Zielwerte ab 2026 mit einer vollständigen Umsetzung bis 2028 vor. Die Regelung soll für Fahrzeughersteller sowie deren Zulieferer der Stufen Tier 1 und Tier 2 gelten und eine dokumentierte Einhaltung leistungsbezogener Standards für Beständigkeit, Hitzefestigkeit und chemische Verträglichkeit verlangen.
Hintergrund
Der US-Vorschlag erscheint vor dem Hintergrund zunehmenden globalen Regulierungsdrucks zur Schließung von Kreisläufen bei Automobilkunststoffen. Das Europäische Parlament und der Rat haben im Dezember 2025 eine vorläufige Einigung über die Altfahrzeug-Verordnung (End-of-Life Vehicle Regulation, ELVR) erzielt, die sechs Jahre nach Inkrafttreten einen Mindestanteil von 15 % recyceltem Kunststoff in Neuwagen sowie 25 % innerhalb von zehn Jahren vorschreibt. Dem EU-Kompromiss zufolge müssen mindestens 20 % dieser Recyclingquoten aus Altfahrzeugen stammen, wie aus vom Europäischen Parlament veröffentlichten Unterlagen hervorgeht.
In den Vereinigten Staaten wurden Vorgaben zum Rezyklatanteil bislang vor allem auf Ebene der Bundesstaaten für Verpackungen vorangetrieben. Mit Stand August 2025 haben fünf Bundesstaaten Gesetze verabschiedet, die den Einsatz von post-consumer-Rezyklat in Kunststoffverpackungen verlangen, so der Verband der Kunststoffrecycler. Auf Bundesebene konzentrierten sich Gesetzesinitiativen bisher auf Verpackungen und nicht auf langlebige Konsum- und Investitionsgüter. Hervorzuheben ist der Gesetzentwurf "Accelerating a Circular Economy for Plastics and Recycling Innovation Act", der im September 2024 von den Abgeordneten Larry Bucshon (R-Ind.) und Don Davis (D-N.C.) eingebracht wurde und bis 2030 einen Mindestanteil von 30 % Rezyklat in Kunststoffverpackungen fordert. Die vorgeschlagene Automobilregelung würde erstmals auch für langlebige Güter bundesweite Anforderungen an den Rezyklatanteil festschreiben.
Der amerikanische Chemieverband American Chemistry Council setzt sich seit Längerem dafür ein, Standards für Rezyklatanteile als Bestandteil der Materialzertifizierung bei Automobil-Erstausrüstern (OEM) zu verankern und fordert bundesstaatliche wie auch nationale Initiativen, um Investitionen in eine landesweite Recyclinginfrastruktur für langlebige Kunststoffe anzustoßen.
Details
Die Regelung ist technologieneutral und leistungsorientiert ausgestaltet. Zugelassen ist eine Mischung unterschiedlicher Einsatzstoffe, darunter recyceltes PET, HDPE und spezialisierte Polymere, sofern sie die Anforderungen an Automobilqualität erfüllen. Zertifizierung und unabhängige Prüfungen bilden das Rückgrat der Durchsetzung; bei Nichteinhaltung drohen Geldbußen und Kürzungen von Gutschriften in der regulatorischen Berichterstattung. Der Rahmen orientiert sich an Leitlinien der Umweltbehörde EPA und an Prinzipien des "Design for Recyclability" (DFR), die eine einfache Demontage und Wiederverwertung von Bauteilen am Lebensende fördern.
Die Bereitschaft der Zulieferer ist in der Branche sehr unterschiedlich ausgeprägt. Der weltweite Markt für post-consumer-recycelte Kunststoffe im Automobilsektor hatte 2024 ein Volumen von 11,92 Milliarden US-Dollar und soll bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 11,1 % zulegen, so das Marktforschungsunternehmen Grand View Research. Mehrere Erstausrüster haben freiwillige Ziele formuliert: Ford hat zugesagt, in seiner gesamten Modellpalette mindestens 20 % Rezyklatanteil einzusetzen, während GM anstrebt, bis 2030 in allen Fahrzeugen 50 % nachhaltige Materialien zu verwenden, wie Branchenanalysten berichten. Zulieferer mit skalierbaren PCR-Lieferketten und zertifizierten Qualitätssicherungssystemen dürften bevorzugte Lieferantenstatus erhalten, sobald die Vorgaben greifen.
Die ICIS-Analystin für Kunststoffrecycling, Mia McLachlan, weist darauf hin, dass Rezyklatvorgaben "voraussichtlich vor allem über recycelte Polyolefine erfüllt werden", da hierfür deutlich mehr geeignete Abfallfraktionen verfügbar seien als für andere Automobilpolymere. ICIS schätzt, dass allein in Europa bis 2040 zwischen 0,5 und 0,6 Millionen Tonnen recycelter Polyolefine benötigt würden, um die EU-Vorgaben zu erfüllen, wobei recyceltes Polypropylen den größten Anteil stellen dürfte.
Rückverfolgbarkeit entwickelt sich zu einer zentralen Herausforderung für die Einhaltung der Vorgaben. Digitale Stücklisten, Lieferantenerklärungen und produktintegrierte Kennzeichnungen werden diskutiert, um eine transparente Berichterstattung und Prüfung der Angaben zu Rezyklatanteilen zu unterstützen.
Ausblick
Die Veröffentlichung der endgültigen US-Verordnung wird für Ende 2026 erwartet; die gestaffelten Zielvorgaben sollen bis 2028 vollständig eingeführt sein. Nach Prognosen von IDTechEx wird der Anteil nachhaltiger Kunststoffe in Fahrzeugen bis 2035 bei rund 18 % liegen{{/fact} - ein Wert, der hinter den selbst gesetzten Zielen vieler Erstausrüster und den regulatorischen Ambitionen zurückbleibt. Das verdeutlicht, wie umfangreich die noch nötigen Investitionen in Infrastruktur und die Koordinierung der Lieferketten ausfallen müssen. Fahrzeugherstellern und Zulieferern wird geraten, frühzeitig Lückenanalysen durchzuführen und Beschaffungsverträge vor der endgültigen Verabschiedung anzupassen.
Weiterführende Informationen finden Sie in unserem früheren Bericht zum US-Vorschlag für bundesweite Rezyklatvorgaben bei Automobilkunststoffen sowie zu den EU-Regeln zur Kreislaufwirtschaft für Verbundwerkstoffe im Automobilbereich.
