Die US-Bundesregierung treibt Vorhaben voran, verbindliche Rezyklatanteile für Kunststoffbauteile in Pkw festzulegen. Grundlage sind das bestehende Programm der Umweltbehörde EPA zu umfassenden Beschaffungsleitlinien (Comprehensive Procurement Guidelines, CPG) sowie übergeordnete Nachhaltigkeitsvorgaben des Weißen Hauses. Zwar liegt noch keine endgültige Regelung mit konkreten Zielwerten oder Sanktionsmechanismen vor, doch die geplante Ausweitung wäre das erste bundesweite Mandat, das sich gezielt auf den Rezyklatanteil in polymeren Fahrzeugteilen wie Innenverkleidungen, Komponenten im Motorraum und Gehäusen von Batterien richtet.
Hintergrund
Der Vorstoß folgt auf mehrere Jahre intensiver Bundesaktivitäten rund um Kunststoffe und nachhaltige öffentliche Beschaffung. Das CPG-Programm der EPA, das auf Abschnitt 6002 des Resource Conservation and Recovery Act (RCRA) basiert, definiert bereits 61 Produkte in acht Kategorien, die bei der öffentlichen Beschaffung mit Rezyklatanteil zu berücksichtigen sind - darunter Fahrzeugprodukte wie wiederaufbereitete Teile, aufgearbeitete Schmieröle und runderneuerte Reifen. Kunststoffkomponenten im Automobilbereich unterliegen bislang jedoch keinen spezifischen bundesweiten Vorgaben zum Rezyklatanteil.
Der übergeordnete regulatorische Rahmen geht auf Executive Order 14057 zurück. Diese verpflichtet Bundesbehörden dazu, Abfälle zu minimieren, Märkte für Recyclingprodukte zu stärken und Einwegkunststoffe in den Betriebsabläufen des Bundes bis 2035 schrittweise abzuschaffen. Das Weiße Haus bezeichnet dies als den ersten Fall, in dem die Bundesregierung "die Schwere der Plastikmüllkrise formell anerkennt".
Auf Ebene der Bundesstaaten haben bis 2025 fünf Staaten Gesetze erlassen, die für bestimmte Behälter und Verpackungen Mindestanteile an Rezyklat vorschreiben - allerdings ohne gezielte Vorgaben für Kunststoffe im Automobilsektor. Das Fehlen eines einheitlichen nationalen Mandats für Rezyklatanteile in Fahrzeugen bleibt für nordamerikanische Hersteller eine Herausforderung.
Details
Das stärkste internationale Vorbild kommt aus Europa. Im Dezember 2025 einigten sich die Mitgesetzgeber der EU darauf, dass der in jedem neuen Fahrzeugtyp eingesetzte Kunststoff innerhalb von sechs Jahren nach Inkrafttreten der Vorschriften mindestens 15 % und innerhalb von zehn Jahren mindestens 25 % Rezyklat enthalten muss. Mindestens 20 % dieses Rezyklats sollen aus einem geschlossenen Kreislauf stammen - also aus der Verwertung von Altfahrzeugen. Laut der ICIS-Analystin für Kunststoffrecycling, Mia McLachlan, "werden die Vorgaben zum Rezyklatanteil voraussichtlich vor allem durch recycelte Polyolefine erfüllt", wobei der größte Anteil auf recyceltes Polypropylen entfällt.
Die EU-Regelung setzt US-amerische OEMs und weltweit tätige Zulieferer, die in beiden Märkten aktiv sind, direkt unter Druck. Die europäischen Anforderungen treiben die Entwicklung von Instrumenten zur Regelkonformität und von Datengrundlagen voran; wenn diese Investitionen genutzt werden, um nordamerikanische Regelwerke mitzugestalten, könnte dies der Automobilindustrie zugutekommen, indem es mehr Einheitlichkeit für global agierende Unternehmen schafft.
Forschende des Joint Research Centre der Europäischen Kommission stellten fest, dass derzeit rund 80 % der in neuen Fahrzeugen eingesetzten Rezyklatkunststoffe aus vorindustriellen Produktionsabfällen stammen und nicht aus Abfällen nach Gebrauch. In den USA werden mehr als 80 % der Kunststoffe aus Altfahrzeugen deponiert - bedingt durch begrenzte wirtschaftliche Anreize und technische Hürden beim Recycling. Für bestimmte Bauteile - etwa Innenraumteile aus sortenreinem Polypropylen - ist die Einführung von Rezyklatanteilen deutlich einfacher, weshalb diese Komponenten für Hersteller kurzfristig im Fokus stehen.
Der American Chemistry Council setzt sich für Initiativen auf Bundes- und Bundesstaatenebene ein, die Investitionen in eine nationale, leistungsfähige Recyclinginfrastruktur für langlebige Kunststoffe anregen - von der Sammlung über die Trennung und Sortierung bis zur Aufbereitung von Kunststoffen aus Altfahrzeugen. Zudem fordert der Verband steuerliche Anreize für Fahrzeuge, die Rezyklatanteile einsetzen.
Ausblick
Etwaige bundesweite US-Vorgaben zum Rezyklatanteil in Fahrzeugkunststoffen befinden sich weiterhin im Stadium von Entwürfen und der ressortübergreifenden Abstimmung; vor einer endgültigen Verabschiedung ist eine öffentliche Konsultation zu erwarten. Am 11. Februar 2026 wurde im US-Repräsentantenhaus der Recycled Materials Attribution Act eingebracht - ein parteiübergreifender Gesetzentwurf mit dem Ziel, bundesweite Standards für Recycling- und Rezyklatangaben in der Vermarktung zu schaffen. Wie die aktuelle Regierung spezifische Vorgaben zum Rezyklatanteil im Automobilbereich ausgestaltet, wird entscheidend dafür sein, ob sich die US-Politik an den verbindlichen EU-Zielen orientiert oder davon abweicht - ein zentraler Faktor für OEMs, Tier-1-Zulieferer und Hersteller von Rezyklatgranulaten, die langfristige Materialstrategien planen.
