Die Europäische Union hat eine neue Verordnung verabschiedet, die einen höheren Einsatz von recycelten Kunststoffen in der Fahrzeugproduktion vorschreibt. Vorgaben zum geschlossenen Recyclingkreislauf dürften ab 2026 die Nachfrage nach Spritzgießanlagen deutlich verändern. Die vorläufige Regelung schreibt innerhalb von sechs Jahren einen Mindestanteil von 15 % recycelter Kunststoffe in neuen Fahrzeugen vor, der innerhalb von zehn Jahren auf 25 % ansteigen soll. Davon müssen 20 % aus geschlossenen Recyclingkreisläufen stammen, also speziell aus Altfahrzeugen (ELV, End-of-Life Vehicles) gewonnen werden. Die Vorgaben gelten für eine breite Palette von Fahrzeugkategorien - darunter Pkw, Transporter, Lkw, Motorräder und Spezialfahrzeuge - und stärken gleichzeitig die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR).
Hintergrund
Die Verordnung ist Teil des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft und des Grünen Deals der EU und ersetzt frühere Richtlinien zu Altfahrzeugen. Sie weitet den Geltungsbereich über Pkw und Transporter hinaus auf schwere Nutzfahrzeuge und Spezialfahrzeuge aus. Zentrale Ziele sind eine bessere Wiederverwertbarkeit der Fahrzeuge sowie die Verhinderung illegaler Ausfuhren nicht mehr verkehrssicherer Fahrzeuge. Ein früherer Vorschlag des Europäischen Parlaments aus Mitte 2025 hatte einen Schwellenwert von 20 % recycelter Kunststoffe innerhalb von sechs Jahren vorgesehen, abhängig von Materialkosten und -verfügbarkeit, sowie 25 % innerhalb von zehn Jahren.
Details
Die nun beschlossenen stufenweisen Zielwerte - 15 % bis zum sechsten Jahr und 25 % bis zum zehnten Jahr - spiegeln Kompromisse wider, die während der Verhandlungen erzielt wurden. Die Einigung eröffnet zudem die Möglichkeit, Anforderungen an recycelten Stahl und recyceltes Aluminium zwei Jahre nach Inkrafttreten festzulegen, vorbehaltlich entsprechender Machbarkeitsprüfungen. Die Verordnung führt einen "Materialpass" für Fahrzeuge ein, um die Rückverfolgbarkeit von Zusammensetzung und Wiederverwertbarkeit zu verbessern, und verankert grenzüberschreitende EPR-Pflichten, die Hersteller für die Sammlung und Behandlung von Altfahrzeugen verantwortlich machen.
Branchenverbände, darunter auch Interessenvertretungen für Verbundwerkstoffe, äußern Bedenken hinsichtlich der Einstufung faserverstärkter Polymerverbunde als "Kunststoffe" und der möglichen Auswirkungen auf die Leichtbauziele im Automobilsektor. Der Europäische Verband der Verbundwerkstoffindustrie fordert weiterhin Anreize für recyclingfreundliche und auf Wiederverwendung ausgelegte Konstruktionskonzepte bei Verbundwerkstoffen. Parallel dazu setzt sich die European Circular Composites Alliance für eine umfassende, lebenszyklusbasierte Kreislaufwirtschaft über alle Verbundanwendungen hinweg ein, mit starkem Fokus auf Wiederverwendung, Wiederaufbereitung und Recycling.
Ausblick
Maschinenhersteller und Automobil-OEMs werden voraussichtlich in Spritzgießtechnologien investieren müssen, die größere Mengen recycelter Kunststoffe verarbeiten können - einschließlich verbesserter Materiallogistik, präziser Viskositätssteuerung und erhöhter thermischer Stabilität. Frühe Anpassungen könnten Innovationen bei der Verarbeitung faserverstärkter Systeme und bei Verbundwerkstoffen anstoßen, die gezielt für Demontagefähigkeit und Rückverfolgbarkeit ausgelegt sind. Die endgültige Zustimmung durch Europäisches Parlament und Rat wird klare Fristen für die Einhaltung und entsprechende Durchsetzungsmechanismen festlegen.
